WEBVTT - generated by VCS

1
00:00:05.760 --> 00:00:07.280
Ja, mein Vater,

2
00:00:07.280 --> 00:00:10.920
der ist geboren in Merseburg, in Sachsen-Anhalt.

3
00:00:10.920 --> 00:00:13.400
1945.

4
00:00:13.400 --> 00:00:16.320
Und er ist in eine Familie hineingeboren,

5
00:00:16.320 --> 00:00:21.040
die damals dort in Merseburg mehrere Häuser

6
00:00:21.040 --> 00:00:24.680
besaß, auf der Bahnhofstraße mit einem Holzhandel.

7
00:00:25.280 --> 00:00:28.200
Wie kam es dazu, dass mein Vater zur Malerei
kam?

8
00:00:28.680 --> 00:00:32.880
Mein Opa, sozusagen der Vater meines Vaters,
der hat auch schon gemalt.

9
00:00:32.880 --> 00:00:35.120
Und er war auch sehr talentiert.

10
00:00:35.120 --> 00:00:39.400
Nun war es aber damals so, dass er diesen Wunsch
in München

11
00:00:39.400 --> 00:00:44.640
zu studieren, Kunst zu studieren, nicht erfüllt
bekommen hat,

12
00:00:44.640 --> 00:00:49.080
weil er Sohn dieses Firmeninhabers war

13
00:00:49.080 --> 00:00:51.840
und er musste die Firma weiterleiten,

14
00:00:51.840 --> 00:00:54.880
den Holzhandel. Und da hat er in der Richtung
dann studiert

15
00:00:55.560 --> 00:00:59.640
und hat aber immer gemalt und so ist mein Vater
natürlich

16
00:00:59.640 --> 00:01:04.000
dann als Kind wahrscheinlich auch aufmerksam
geworden, hat sich interessiert

17
00:01:04.000 --> 00:01:08.000
und hat dann wirklich als Kind angefangen auch
zu malen.

18
00:01:08.000 --> 00:01:14.000
Und das war ja damals so, dass man eine Berufsausbildung
mit Abitur gemacht hat.

19
00:01:14.000 --> 00:01:19.000
Er ist gelernter Destillateur und hat Abitur
gemacht

20
00:01:19.000 --> 00:01:23.000
und hat sich danach an der Kunsthochschule
beworben.

21
00:01:23.000 --> 00:01:26.000
Also er hat sich auch an mehreren Kunsthochschulen
beworben.

22
00:01:26.000 --> 00:01:28.000
Ich glaube auch in Leipzig und in Dresden.

23
00:01:28.000 --> 00:01:30.000
Er ist auch nicht gleich genommen worden.

24
00:01:30.000 --> 00:01:33.000
1967 hat er sein Studium begonnen,

25
00:01:34.000 --> 00:01:37.000
an der Dresdner Kunsthochschule.

26
00:01:37.000 --> 00:01:39.000
Genau...

27
00:01:39.000 --> 00:01:43.000
Bei Gerhard Kettner, Herbert Kunze und Franz
Tippel hat er studiert,

28
00:01:43.000 --> 00:01:48.000
und er ist in die Klasse der Wandmalerei gegangen

29
00:01:49.000 --> 00:01:52.000
und hat dort sozusagen in dieser Richtung studiert.

30
00:01:52.000 --> 00:01:56.000
Daher kam dann auch später mit dem Mitstudierenden
Wolfgang Proben

31
00:01:56.000 --> 00:01:59.000
diese Zusammenarbeit auch der Restaurierung.

32
00:01:59.000 --> 00:02:04.000
Ein wichtiger Wegbegleiter meines Vaters

33
00:02:04.000 --> 00:02:09.000
während der Studienzeit und darüber hinaus
dann auch später waren Stefan Plenkers

34
00:02:09.000 --> 00:02:12.000
und Veit Hofmann und auch Achim Böttcher,

35
00:02:13.000 --> 00:02:15.000
der dann nach Berlin gegangen ist

36
00:02:16.000 --> 00:02:18.000
und mit denen

37
00:02:18.000 --> 00:02:22.000
hat er sozusagen schon während der Studienzeit
Freundschaften

38
00:02:22.000 --> 00:02:26.000
geschlossen und später viele gemeinsame Ausstellungen
gehabt

39
00:02:26.000 --> 00:02:30.000
und auch Reisen unternommen, die ja dann auch

40
00:02:30.000 --> 00:02:34.000
nach der Wendezeit noch sehr wichtig und eindrucksvoll
waren.

41
00:02:34.000 --> 00:02:36.000
Die Freundschaft bestand sozusagen bis zum
Tod.

42
00:02:37.000 --> 00:02:42.000
1973: Club der jungen Künstler. Und in dem
waren drin Joachim Böttcher,

43
00:02:44.000 --> 00:02:45.000
Christian Kirsten,

44
00:02:45.000 --> 00:02:48.000
Dieter Klausnitzer, Veit Hofmann, Marlies Lilge,
Stefan Plenkers,

45
00:02:48.000 --> 00:02:52.000
Rainer Zille und Petra Schwandt.

46
00:02:52.000 --> 00:02:55.000
Das sind die Gründungsmitglieder

47
00:02:55.000 --> 00:02:59.000
und es wurde dann eben beschlossen,

48
00:03:00.000 --> 00:03:04.000
sich auch eine Galerie zu suchen, in der man
gemeinsame Arbeiten

49
00:03:04.000 --> 00:03:08.000
oder auch Einzelausstellungen der Arbeiten
durchführen konnte.

50
00:03:09.000 --> 00:03:13.000
Und 1974-75

51
00:03:13.000 --> 00:03:16.000
gab es einen Grafik-Kalender.

52
00:03:17.000 --> 00:03:19.000
Und das ist vielleicht auch noch mal interessant:

53
00:03:19.000 --> 00:03:22.000
Hier steht: Der Erlös von zwei Grafik-Basaren

54
00:03:22.000 --> 00:03:28.000
wurde auf das Solidaritäts-Konto für Chile
überwiesen.

55
00:03:28.000 --> 00:03:32.000
Das wäre auch im Zusammenhang mit den Auslandssachen
interessant.

56
00:03:33.000 --> 00:03:36.000
Ja und dann kam eben diese Galerie Nord.

57
00:03:36.000 --> 00:03:39.000
Dann haben sie Räume gesucht und auf der Leipziger
Straße

58
00:03:39.000 --> 00:03:41.000
war irgendwie, meine Mutti sagte, das müsse

59
00:03:41.000 --> 00:03:45.000
eine alte Eisdiele oder irgendwas gewesen sein,
die nicht mehr benutzt wurde.

60
00:03:45.000 --> 00:03:47.000
Das hatten sie sich dann ausgeguckt

61
00:03:48.000 --> 00:03:51.000
und dann alle natürlich auch ein bisschen
mit angepackt, vorgerichtet.

62
00:03:52.000 --> 00:03:55.000
Und dann haben sie dort eine Galerie gegründet.

63
00:03:56.000 --> 00:03:59.000
Ja, und Sigrid Walther,

64
00:03:59.000 --> 00:04:01.000
da bestand eben auch immer schon Kontakt,

65
00:04:01.000 --> 00:04:05.000
Sigrid Walther hat die Galerie dann geführt.

66
00:04:05.000 --> 00:04:08.000
Die kannten sich und waren auch freundschaftlich
verbunden.

67
00:04:10.000 --> 00:04:11.000
Und sie hat dann die Eröffnung gemacht.

68
00:04:11.000 --> 00:04:14.000
Die hat die Ausstellung organisiert

69
00:04:14.000 --> 00:04:16.000
in der Galerie Nord.

70
00:04:16.000 --> 00:04:18.000
Ja, die Auslandsreisen.

71
00:04:18.000 --> 00:04:22.000
Also wie gesagt, es waren vor allem Studienreisen

72
00:04:23.000 --> 00:04:29.000
ins östliche Ausland,

73
00:04:30.000 --> 00:04:34.000
Sowjetunion damals. Die genaue Strecke,

74
00:04:34.000 --> 00:04:38.000
ich glaube, das hatte Veit Hofmann dann auch
im Interview erzählt,

75
00:04:39.000 --> 00:04:39.000
die hatte er auch,

76
00:04:39.000 --> 00:04:42.000
die konnten sie sich auch selber ein bisschen
wählen

77
00:04:43.000 --> 00:04:45.000
und sie haben sich die Stationen,

78
00:04:45.000 --> 00:04:49.000
die sie bereisen wollten rausgesucht und haben
dann verschiedene –

79
00:04:50.000 --> 00:04:57.000
ja, wie hieß das denn damals? – Sowjetrepubliken
mit dem Zug bereist.

80
00:04:57.000 --> 00:05:00.000
Da war der Veit Hofmann dabei,

81
00:05:00.000 --> 00:05:03.000
der...

82
00:05:05.000 --> 00:05:07.000
Plenkers, Stefan Plenkers...

83
00:05:07.000 --> 00:05:10.000
Also es gab auch mehrere Reisen, deswegen waren
es wahrscheinlich

84
00:05:10.000 --> 00:05:13.000
auch unterschiedliche Leute bei unterschiedlichen
Reisen mit,

85
00:05:13.000 --> 00:05:16.000
aber meistens Stefan Plenkers und Veit Hofmann,

86
00:05:16.000 --> 00:05:19.000
die waren fast, also ich glaube, immer dabei,
in der Konstellation.

87
00:05:20.000 --> 00:05:22.000
1980.

88
00:05:22.000 --> 00:05:27.000
Davor gab es schon mal von 1976 bis 1982

89
00:05:27.000 --> 00:05:30.000
Studienreisen in die Sowjetunion.

90
00:05:30.000 --> 00:05:32.000
Und wie gesagt, 1980 war die große Reise.

91
00:05:32.000 --> 00:05:36.000
Da war Helge Leiberg mit, Veit Hoffmann, Stefan
Plenkers,

92
00:05:36.000 --> 00:05:40.000
da sind sie nach Georgien, Usbekistan und Kasachstan
gereist.

93
00:05:41.000 --> 00:05:45.000
Und ja, haben sich dort sozusagen auch...

94
00:05:45.000 --> 00:05:49.000
Also es war natürlich teilweise auch der offizielle
Teil,

95
00:05:50.000 --> 00:05:53.000
dann wurden sozusagen auch Ausstellungen besucht,

96
00:05:53.000 --> 00:05:58.000
es wurden bestimmte Künstler vorgestellt,

97
00:05:58.000 --> 00:06:02.000
aber es gab wohl auch Zeit für eigene Erlebnisse.

98
00:06:02.000 --> 00:06:06.000
Also sie konnten dann schon auch eigene Unternehmungen
machen.

99
00:06:06.000 --> 00:06:10.000
Und dort gab es eben auch viele interessante
Geschichten,

100
00:06:10.000 --> 00:06:14.000
die dann im Nachhinein auch erzählt worden
und aufgeschrieben wurden.

101
00:06:14.000 --> 00:06:17.000
Es gibt glücklicherweise ein Reisetagebuch,

102
00:06:17.000 --> 00:06:23.000
wo das auch sehr schön beschrieben wird von
meinem Vater, welche Erlebnisse dort

103
00:06:23.000 --> 00:06:27.000
auch während der Reisen gemacht wurden.

104
00:06:27.000 --> 00:06:28.000
Auf dieser Studienreise

105
00:06:29.000 --> 00:06:33.000
in die Sowjetunion hat er dieses Reisetagebuch
angefertigt.

106
00:06:33.000 --> 00:06:34.000
Dort sind ganz viele Skizzen drin,

107
00:06:34.000 --> 00:06:36.000
in dem Reisetagebuch.

108
00:06:36.000 --> 00:06:42.000
Anhand dieser Skizzen hat er auch später vor
allem Grafik gemacht.

109
00:06:42.000 --> 00:06:46.000
Es waren Aquarelle und graphische Arbeiten,

110
00:06:46.000 --> 00:06:48.000
auch ein paar Ölbilder,

111
00:06:49.000 --> 00:06:51.000
die auch teilweise in Museen zu finden sind.

112
00:06:52.000 --> 00:06:55.000
Das hat ihn schon auch beeinflusst.

113
00:06:55.000 --> 00:06:58.000
Gerade, was so ganz besonders Motive waren,

114
00:06:59.000 --> 00:07:01.000
die Menschen,

115
00:07:01.000 --> 00:07:05.000
die dort gelebt haben, die in den Basaren oder
auch in den Teestuben,

116
00:07:05.000 --> 00:07:08.000
da hat er sich gerne aufgehalten, davon gibt
es auch Fotos.

117
00:07:08.000 --> 00:07:12.000
Wie er in der Teestube sitzt und zeichnet,
das ist ein ganz schönes Bild.

118
00:07:12.000 --> 00:07:16.000
Sie haben ja da in Georgien diese typischen
Betten, wie solche

119
00:07:16.000 --> 00:07:20.000
großen Betten, wo die dann drauf sitzen und
ihren Tee trinken.

120
00:07:20.000 --> 00:07:25.000
Da hat er viel gezeichnet und das war so das,
was ihn besonders interessiert hat.

121
00:07:25.000 --> 00:07:28.000
Die Menschen, da hat er sehr viele Porträts

122
00:07:28.000 --> 00:07:31.000
gezeichnet und auch Landschaftsabbildungen.

123
00:07:31.000 --> 00:07:33.000
Dann waren sie auch auf Dörfern,

124
00:07:33.000 --> 00:07:37.000
wo sie dann große Feste veranstaltet haben,
zu denen die Künstler kamen.

125
00:07:37.000 --> 00:07:39.000
Und das hat ihn schon auch alles inspiriert,

126
00:07:39.000 --> 00:07:43.000
auch im Nachhinein noch, in seiner Arbeiten
auch beeinflusst.

127
00:07:43.000 --> 00:07:44.000
Die Eindrücke.

128
00:07:45.000 --> 00:07:48.000
Ja, mein Vater hat natürlich auch Reisen

129
00:07:48.000 --> 00:07:50.000
beantragt, zum Beispiel nach Westberlin

130
00:07:52.000 --> 00:07:54.000
zu bestimmten Ausstellungen.

131
00:07:54.000 --> 00:07:58.000
Das hat er nicht genehmigt bekommen, aus welchen
Gründen auch immer.

132
00:07:59.000 --> 00:08:03.000
Und kurz vor der Wende

133
00:08:03.000 --> 00:08:08.000
gab es noch eine Galeristin aus Wien, die

134
00:08:09.000 --> 00:08:11.000
wollte eine Ausstellung mit mehreren verschiedenen
Künstlern,

135
00:08:11.000 --> 00:08:16.000
unter anderem eben auch Künstlern aus der
DDR, machen.

136
00:08:17.000 --> 00:08:21.000
Sie hatte angefragt und sie stand dann auch
mit meinem Vater im Briefkontakt.

137
00:08:21.000 --> 00:08:24.000
Sie war auch da und hat dann später mit ihm
geschrieben,

138
00:08:24.000 --> 00:08:26.000
ob er nicht an der Ausstellung teilnehmen will.

139
00:08:26.000 --> 00:08:29.000
Er hatte auch Interesse gehabt, hat es beantragt

140
00:08:29.000 --> 00:08:33.000
und dort hieß es dann, dass der Zeitraum bis
zur Ausstellung

141
00:08:33.000 --> 00:08:35.000
zu knapp wäre, um den Antrag zu bearbeiten

142
00:08:36.000 --> 00:08:38.000
und wurde dadurch auch abgewiesen.

143
00:08:39.000 --> 00:08:42.000
Das war natürlich sehr frustrierend

144
00:08:42.000 --> 00:08:47.000
und sehr ernüchternd, dass so was dann nicht
ging.

145
00:08:54.000 --> 00:09:00.000
Also die Idee ist ja, jetzt kann man schon
fast sagen, vor ein paar Jahren...

146
00:09:00.000 --> 00:09:04.000
Jetzt ist es schon ein bisschen länger her.

147
00:09:04.000 --> 00:09:07.000
Also eigentlich beschäftigt mich dieses Thema
schon sehr lange,

148
00:09:08.000 --> 00:09:11.000
man könnte fast sagen,

149
00:09:11.000 --> 00:09:13.000
seit dem Tod meines Vaters

150
00:09:14.000 --> 00:09:17.000
ist so die Frage: Was machen wir mit den Bildern?

151
00:09:17.000 --> 00:09:19.000
Was machen wir mit der Grafik?

152
00:09:19.000 --> 00:09:22.000
Erstmal haben wir das Haus in Thüringen,

153
00:09:22.000 --> 00:09:27.000
wo mein Vater zuletzt gelebt hat, in dem Elternhaus
seiner Eltern

154
00:09:28.000 --> 00:09:32.000
ausgeräumt und alles hierher gebracht,

155
00:09:32.000 --> 00:09:35.000
nachdem auch meine Mutter sich entschlossen
hatte, mit hierher zu ziehen.

156
00:09:36.000 --> 00:09:38.000
Ja, und dann hatten wir das alles da.

157
00:09:38.000 --> 00:09:41.000
Das erste, was mein Mann gebaut hatte, war
das Bilderlager hier auf dem Dachboden.

158
00:09:41.000 --> 00:09:46.000
Da war es noch ein richtiger Dachboden, damit
wir es erst mal irgendwie

159
00:09:46.000 --> 00:09:47.000
unterbringen können,

160
00:09:48.000 --> 00:09:50.000
möglichst ein bisschen isoliert,

161
00:09:50.000 --> 00:09:54.000
dass es nie so diesen Wärme- und Kälteunterschieden
ausgesetzt ist.

162
00:09:55.000 --> 00:09:58.000
Ja, dann war es erst mal da und dann schwang
das immer wieder mit.

163
00:09:58.000 --> 00:10:01.000
Dann ging es auch mal um Ausstellung.

164
00:10:01.000 --> 00:10:02.000
Wir müssen uns noch mal kümmern,

165
00:10:02.000 --> 00:10:06.000
mal wieder eine Ausstellung machen oder es
kam eine Anfrage und dann

166
00:10:06.000 --> 00:10:08.000
ist ES eigentlich so Stück für Stück gewachsen.

167
00:10:08.000 --> 00:10:12.000
Und den Anschub gab eigentlich dann auch mein
Mann,

168
00:10:12.000 --> 00:10:15.000
der immer wieder in den Künstlermappen und
in den Künstler-Kalendern

169
00:10:15.000 --> 00:10:16.000
geblättert hat

170
00:10:16.000 --> 00:10:21.000
und dann auch sagte: “Ah, das so interessant
und hier sind so tolle Arbeiten drin.

171
00:10:21.000 --> 00:10:24.000
Das ist so schade, dass das bei uns hier nur
in den Schubladen liegt.

172
00:10:24.000 --> 00:10:29.000
Das müsste man doch eigentlich mal jemandem
zeigen, was wir hier so haben”.

173
00:10:29.000 --> 00:10:31.000
Und das war eigentlich der Anstoß

174
00:10:31.000 --> 00:10:33.000
und dann kam Corona.

175
00:10:34.000 --> 00:10:37.000
Mein Mann hatte keine Arbeit,

176
00:10:37.000 --> 00:10:39.000
und er hat dann zu mir gesagt:

177
00:10:40.000 --> 00:10:42.000
“Was hältst du davon, wenn ich jetzt den
Dachboden ausbaue?

178
00:10:42.000 --> 00:10:44.000
Wir machen eine Galerie”.

179
00:10:44.000 --> 00:10:45.000
Und ich dachte dann immer:

180
00:10:45.000 --> 00:10:48.000
“Oh Gott, der Dachboden und dort eine Galerie,
so viel Arbeit.”

181
00:10:49.000 --> 00:10:53.000
Und dann hat er losgelegt, und dann hat er
hier eine Galerie gebaut,

182
00:10:54.000 --> 00:10:57.000
und das war natürlich sehr schön

183
00:10:57.000 --> 00:11:00.000
und das hat für mich auch noch mal sehr viel

184
00:11:01.000 --> 00:11:05.000
bedeutet, als das dann entstand und als das
gewachsen ist.

185
00:11:05.000 --> 00:11:08.000
Und als wir dann angefangen habe, auch mit
meiner Mutter zusammen

186
00:11:08.000 --> 00:11:11.000
die Materialien zu ordnen, zu sichten,

187
00:11:11.000 --> 00:11:14.000
zu sortieren und zu gucken, was ist denn alles
da,

188
00:11:15.000 --> 00:11:19.000
diese Fülle überhaupt erst noch mal wahrzunehmen

189
00:11:19.000 --> 00:11:21.000
und das Material, was eigentlich alles vorhanden

190
00:11:21.000 --> 00:11:25.000
ist, und das auch zu begreifen, was das bedeutet,

191
00:11:25.000 --> 00:11:28.000
diesen Umfang auch an Archivmaterial zu haben,

192
00:11:28.000 --> 00:11:32.000
wo man mittlerweile nun wirklich sagen kann,

193
00:11:32.000 --> 00:11:34.000
das hat auch Bedeutung für die Kunstgeschichte

194
00:11:34.000 --> 00:11:36.000
und auch für die Aufarbeitung der Kunstgeschichte,

195
00:11:37.000 --> 00:11:39.000
eben auch der DDR-Kunstgeschichte.

196
00:11:39.000 --> 00:11:41.000
Kunstgeschichte.

197
00:11:41.000 --> 00:11:44.000
Und dann kamen eben auch die Einflüsse der
Ausstellungen, die dann

198
00:11:44.000 --> 00:11:47.000
plötzlich stattfanden, die auch diese Zeit
beleuchten.

199
00:11:47.000 --> 00:11:49.000
Und dann haben wir immer so gedacht, Mensch,

200
00:11:49.000 --> 00:11:52.000
wir haben doch auch noch so viel, was auch
diese Zeit beleuchtet.

201
00:11:52.000 --> 00:11:54.000
Vielleicht nicht die, die immer im Rampenlicht
stehen,

202
00:11:54.000 --> 00:11:56.000
die immer genommen werden

203
00:11:56.000 --> 00:11:58.000
wie Wolfgang Mattheuer oder

204
00:11:59.000 --> 00:12:04.000
Cornelia Schleime, die natürlich auch sehr
wichtig sind

205
00:12:04.000 --> 00:12:05.000
und einen Platz haben dort in dieser Geschichte.

206
00:12:05.000 --> 00:12:13.000
Aber es gibt ja auch noch die zweite Reihe,
die auch noch da sind

207
00:12:13.000 --> 00:12:17.000
und wo ich denke, das ist ganz wichtig, auch
die zu zeigen,

208
00:12:17.000 --> 00:12:21.000
natürlich hier alles mit dem Dresdner Kontext,
aber auch

209
00:12:21.000 --> 00:12:26.000
Verbindungen nach Cottbus, nach Berlin oder
auch bis hoch an die Ostsee

210
00:12:26.000 --> 00:12:29.000
zu den Künstlern, wo ja Künstlerfreundschaften
entstanden sind.

211
00:12:29.000 --> 00:12:33.000
Und mein Vater war eben auch einer, der sehr
viele Kontakte hatte und Kontakte

212
00:12:33.000 --> 00:12:35.000
gepflegt hat,

213
00:12:35.000 --> 00:12:38.000
sehr viel Künstlerfreunde besucht hat oder
Künstlerfreunde,

214
00:12:38.000 --> 00:12:40.000
die ihn besucht haben

215
00:12:40.000 --> 00:12:42.000
und dann wurde viel ausgetauscht.

216
00:12:42.000 --> 00:12:45.000
Wir haben ja jetzt gerade aktuell die Ausstellung
der Künstlerpost,

217
00:12:45.000 --> 00:12:48.000
wo man sieht, das war das Medium zum Austauschen.

218
00:12:48.000 --> 00:12:51.000
Nicht jeder hatte ein Telefon, es wurde viel
geschrieben und Künstler

219
00:12:51.000 --> 00:12:54.000
zeichnen und malen natürlich auch ganz viel.

220
00:13:05.000 --> 00:13:08.000
Ja, also jedenfalls

221
00:13:08.000 --> 00:13:11.000
um meinen Vater herum war es eher eine enge
Community.

222
00:13:11.000 --> 00:13:14.000
Es waren immer dieselben, die sich geschrieben
haben,

223
00:13:14.000 --> 00:13:17.000
Also ins Ausland, die Kontakte, die sind doch
erst später

224
00:13:17.000 --> 00:13:19.000
nach der Wende entstanden.

225
00:13:19.000 --> 00:13:22.000
Da gab es dann wirklich auch Austausch, Briefe
mit

226
00:13:24.000 --> 00:13:26.000
interessierten Kunstsammlern

227
00:13:26.000 --> 00:13:30.000
aus den USA zum Beispiel, oder eben dann auch
einzelnen Künstlern

228
00:13:30.000 --> 00:13:34.000
aus Finnland, aus den USA, aus anderen Ländern
einfach.

229
00:13:34.000 --> 00:13:36.000
Das wurde wirklich erst nach der Wende

230
00:13:36.000 --> 00:13:39.000
eher intensiver, dann die Kontakte auch dorthin.

231
00:13:39.000 --> 00:13:42.000
Vorher war es doch schon eher so ein enger
Kreis,

232
00:13:42.000 --> 00:13:45.000
die sich da ausgetauscht haben, die miteinander
in Kontakt standen.

233
00:13:46.000 --> 00:13:49.000
Da gab es einen großen Austausch und deswegen
haben wir auch da sehr

234
00:13:49.000 --> 00:13:52.000
viel da an Material und auch dann

235
00:13:52.000 --> 00:13:56.000
größere Arbeiten wurden selber getauscht,
viel Grafik wurde getauscht

236
00:13:56.000 --> 00:14:00.000
und sich gegenseitig geschenkt, auch teilweise
Ölbilder oder später

237
00:14:00.000 --> 00:14:01.000
dann auch Acryl-Bilder

238
00:14:02.000 --> 00:14:05.000
und somit ist ein großes Archiv entstanden.

239
00:14:06.000 --> 00:14:08.000
Eine große Sammlung, wo wir jetzt sagen,

240
00:14:08.000 --> 00:14:11.000
das ist ja ein Schatz, so ein Reichtum, das
zu haben

241
00:14:11.000 --> 00:14:17.000
und wir möchten gerne das wirklich als ein
Privatarchiv ausbauen, aufbauen

242
00:14:17.000 --> 00:14:22.000
und haben ja jetzt schon dank Ihnen, Frau Schankweiler,
erste Kontakte knüpfen können

243
00:14:22.000 --> 00:14:27.000
zur SLUB Dresden oder auch dann zu Ihrer Arbeit,
die sie machen.

244
00:14:27.000 --> 00:14:33.000
Und ja, das ist für uns auch sehr schön und
wir genießen das auch gerade sehr,

245
00:14:33.000 --> 00:14:37.000
diese Zusammenarbeit auch herzustellen und
zu sagen,

246
00:14:37.000 --> 00:14:41.000
es bleibt nie nur in den Schubladen und es
ist irgendwo dann nie einfach...

247
00:14:41.000 --> 00:14:43.000
Ja, ich weiß auch gar nicht, was damit passiert.

248
00:14:44.000 --> 00:14:46.000
Also ich führe das jetzt noch mit meinem Mann.

249
00:14:47.000 --> 00:14:48.000
Und wie geht es dann weiter?

250
00:14:48.000 --> 00:14:49.000
Was passiert dann damit?

251
00:14:49.000 --> 00:14:50.000
Meine Tochter hat nie

252
00:14:50.000 --> 00:14:53.000
so ein großes Interesse und sie hat auch ihr
Leben.

253
00:14:53.000 --> 00:14:56.000
Und sie sagt, sie kann...

254
00:14:56.000 --> 00:14:59.000
Sie weiß nie, was sie damit machen sollte
oder wohin damit.

255
00:14:59.000 --> 00:15:03.000
Also sehe ich es jetzt als meine Aufgabe,

256
00:15:04.000 --> 00:15:06.000
mich darum zu kümmern

257
00:15:06.000 --> 00:15:10.000
und zu sagen: Das kann ich dann ja nicht alles
wegschmeißen irgendwann.

258
00:15:10.000 --> 00:15:14.000
Es muss in gute Hände, damit es auch dann
später noch weiter

259
00:15:15.000 --> 00:15:18.000
genommen werden kann und kunstwissenschaftlich,
kunstgeschichtlich

260
00:15:19.000 --> 00:15:22.000
mit genutzt werden kann, um damit zu arbeiten.

261
00:15:22.000 --> 00:15:27.000
Auch für Studenten als Material, als Anschauung.

262
00:15:27.000 --> 00:15:28.000
Wie war es damals?

263
00:15:28.000 --> 00:15:30.000
Was haben die Künstler damals gemacht?

264
00:15:30.000 --> 00:15:35.000
Wie war dort das Künstlerleben, der Austausch,
die Malerei,

265
00:15:35.000 --> 00:15:37.000
das grafische Arbeiten?

266
00:15:37.000 --> 00:15:40.000
Ja, das ist sehr schön,

267
00:15:40.000 --> 00:15:44.000
dass da das jetzt ein bisschen in Gang kommt.

